Charles Eisenstein,

Klima

Eine neue Perspektive

Aus dem Englischen von Jürgen Hornschuh,
Eike Richter und Nikola Winter
ca. 400 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
13,7 × 21,7 cm

Erscheint im September 2019


22,00 € (D) / 22,70 € (A)
ISBN 978-3-95890-260-2

Klimawandel neu gedacht – eine ganzheitliche Perspektive
 
Der heute vorherrschende Konsens über unser Klima lässt wenig Raum für andere ökologische Anliegen. Taktiken und Ziele des Klimaschutzaktivismus folgen immer noch dem gleichen Muster, das überhaupt erst zu Klimawandel und Umweltzerstörung geführt hat: Probleme wie Genmanipulation, riesige Biosprit-Plantagen oder die Anlage von Staudämmen werden ignoriert oder sogar als Lösung angeboten, was zu einer weiteren Verschärfung der Entwicklungs- und Globalisierungsproblematik führt.
 
In seinem neuen Buch Klima plädiert Charles Eisenstein dafür, dass wir uns wieder dem Wasser, dem Boden, den Wäldern, der regenerativen Landwirtschaft und dem Naturschutz zuwenden, denn vieles, was Treibhausgasen und globaler Erwärmung zugeschrieben wird, ist in Wahrheit unserem separatistischen Weltbild geschuldet, das zur Krise unseres Planeten geführt hat. In Klima kommt Eisenstein zu dem Schluss, dass es nicht ausreicht, lediglich neue Formen der Energiegewinnung oder des Konsums einzuführen, um eine »nachhaltige Entwicklung« zu ermöglichen. Vielmehr bedarf es eines radikalen Umdenkens im Sinne von »Interbeing«, einem ganzheitlichen Fühlen und Handeln, das die Verbundenheit aller Menschen, aber auch die Verbundenheit von Mensch und Natur ins Zentrum stellt, um einen positiven Wandel zu ermöglichen. Wir alle müssen lernen, Verantwortung für unser Tun zu übernehmen, und zur Heilung unseres Ökosystems beitragen; denn nur so können wir eine Heilung unserer klimatischen und sozialen Systeme erreichen.
 
• Das erste Buch des großen Kulturphilosophen über die Zerstörung unserer Umwelt
• Zahlreiche Beispiele, wie wir zu einer neuen Verbundenheit mit der Natur finden, um unser Klima zu retten
• Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Wolfgang Sachs (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie)
 
»Nur wenn wir uns als Gesellschaft der Gemeinschaft allen Lebens auf Erden anschließen, ist Heilung möglich.«
Charles Eisenstein im Gespräch
 
Warum haben Sie ein Buch über Klimawandel geschrieben?
Ich war mein ganzes Leben Umweltschützer und sehe, wie das Thema Klimawandel momentan die Umweltbewegung dominiert. Erst schien er ihr einen großen Auftrieb zu verleihen. Wir dachten, jetzt werden sie die Dinge tun müssen, die wir schon immer gefordert haben. Aber unterm Strich geht die Sache, fürchte ich, nach hinten los. Das Thema Klima gräbt anderen Umweltthemen das Wasser ab, und pikanterweise stellt sich heraus, dass diese viel wichtiger sind als ursprünglich angenommen, selbst aus der Klima-Perspektive.
 
Gab es einen speziellen Anlass für Sie, dieses Buch jetzt zu schreiben?
Ja, vor ein paar Jahren habe ich an einer Klimakonferenz in Paris teilgenommen. Als ich sah, mit welcher Rhetorik und welchen Strategien das Thema angegangen wurde, schrillten bei mir die Alarmglocken, und ich dachte mir, so wird das nach hinten losgehen.
 
Wer sollte das Buch lesen und warum?
Hauptsächlich ist dieses Buch für Umweltbewegte geschrieben, für Menschen, die die Erde lieben und die sich nach einer anderen Beziehung zwischen Mensch und Natur sehnen – oder besser zwischen Zivilisation und Natur. Es zeigt auf, wie der Klimawandel ein Symptom unserer gesamten Gesellschaft ist und nicht auf beispielsweise Treibhausgase reduziert werden kann. Daher trägt jede Form von Heilung auf jeder Ebene – im eigenen Inneren, in Beziehungen, in der Gesellschaft oder in Ökosystemen – zur Heilung des ganzen Planeten einschließlich des Klimas bei.
 
Welches Problem hat der Klima-Aktivismus momentan?
Ich kann hier nicht ein einzelnes Problem herausgreifen. Vielmehr werden bestimmte Grundannahmen und eine gewisse Weltanschauung unhinterfragt übernommen, die aber Teil des Problems sind. Zum Beispiel ist das Hauptargument für die Reduktion von Treibhausgasen, dass schlimme Dinge passieren, wenn wir es nicht tun – wirtschaftliche Verluste, überflutete Städte, Flüchtlingsströme, Ernteausfälle und so weiter. Aber diese Argumente beruhen auf der Annahme, dass der Wert der Natur in ihrem Wert für uns liegt. Was ist jedoch mit dem ihr innewohnenden Wert, den sie als lebendiges, als heiliges Wesen hat? In den 1970ern, als der Umwelt-Slogan »Rettet die Wale« war, hieß es noch nicht: Rettet die Wale, sonst droht uns Schlimmes. Es hieß: Rettet sie, weil sie so etwas Besonderes sind. Aber das ist nur ein Beispiel.
 
Was meinen Sie mit »CO2-Reduktionismus«?
Es ist eine Art von Fundamentalismus, den durch Treibhausgase verursachten Klimawandel für jedes Umweltproblem verantwortlich zu machen. Damit werden vielfältige Ursachen auf eine einzige reduziert, und es wird suggeriert, wir müssten nur zu anderen Treibstoffen wechseln oder Maschinen bauen, die das CO2 aus der Luft filtern, oder die Erde mit Windrädern, Solarpaneelen und Plantagen für Biotreibstoffe zupflastern, dann könnten wir unsere Zivilisation beibehalten und weiterhin die Natur ruinieren. Wenn wir dagegen den gesamten Planeten als lebendig sehen, werden wir mit den Aktivitäten aufhören, die CO2 freisetzen, sogar wenn wir CO2 nicht für ein Problem halten.
 
Gibt es noch Hoffnung für unseren Planeten?
Ja. Wenn wir als Gesellschaft unsere Aufmerksamkeit, Energie und Kreativität auf die Heilung konzentrieren, wenn wir uns wieder der Gemeinschaft allen Lebens auf Erden anschließen und fragen, wie wir der Gesundheit und Entwicklung des Ganzen dienen können, dann werden wir Wunder der Genesung erleben. Schauen Sie, was in der regenerativen Landwirtschaft möglich ist! Aber das kann nur passieren, wenn wir mit der Erde und all ihren Orten umgehen, als wären sie geliebte, teure Wesen und nicht ein Haufen Chemikalien oder Zellen oder Ressourcen, die nur zu unserem Nutzen existieren.
 
Was können wir tun, als Gesamtheit, aber auch jeder Einzelne?
Wir können darauf horchen, was nach unserer Zuwendung ruft. Da die Ursache für die planetare Krise nicht das eine Ding (CO2) ist, sondern alles zusammen, ist jede heilsame Tat von Bedeutung. Vom Kopf her kann man vielleicht schwer erklären, wie der Schutz von Meeresschildkröten oder Hilfe für obdachlose Menschen oder Flüchtlinge oder die Wiederbelebung aussterbender Sprachen dem Klima helfen. Aber das Herz erkennt, was wichtig ist. Und je mehr wir das Ausmaß der Krise wahrnehmen, desto eher werden wir erkennen, dass die Dinge, die irrelevant schienen, in Wirklichkeit sehr wichtig sind.
 
Hat das Buch Ihr eigenes Leben verändert?
Es hat mich mit meiner Angst konfrontiert, von Menschen, die ich als Freunde und Verbündete sehe, abgelehnt zu werden. Die Diskussion über den Klimawandel und viele andere Probleme hat sich zunehmend polarisiert. Wenn sich jemand mit einer ungewöhnlichen Sichtweise zu Wort meldet, fragen die Leute gleich, auf welcher Seite er steht. Was ich sage, lässt sich jedoch auf dem Meinungsspektrum zum Klimawandel nicht einordnen. Kein Lager – weder die Alarmisten noch die Skeptiker – sieht mich als einen von ihnen. In diesem Zusammenhang hat mir dieses Buch auch gezeigt, dass unser größtes Problem heute eigentlich diese Polarisierung im Denken ist, diese Kriegsmentalität. Solange die Menschheit so gespalten bleibt, werden wir nie die Einigkeit erreichen, die notwendig ist, um wirklich eine andere Beziehung zur Erde aufzubauen. Immer mehr denke ich, der erste Schritt ist Frieden.