Konferenz: Nationale Identität in Europa
Termin: 12. Februar 2019, 13h-19h (Einlaß ab 12h)
Ort: Polnisches Kulturinstitut in Berlin (Burgstraße 27, 10178 Berlin)
Veranstalter: West-Institut (Instytut Zachodni) in Poznań
Begleitveranstaltung: Präsentation von Bildern von Zbigniew Herbert
 
Das Jahr 1918 stellt eine grundlegende Zäsur in der Geschichte Europas dar, zerfiel doch eine internationale und gesellschaftliche Ordnung, die letztlich bis auf den Wiener Kongreß zurückging und vielen Menschen als unwandelbar schien. Während ein Teil der europäischen Gesellschaft die neue Ordnung, welche aus dem Chaos der Nachkriegsjahre entstand, als eine Katastrophe empfunden hat, wurde das neuentstandene Staatensystem von Ländern wie Litauen, Lettland, Estland, Finnland, der Tschechoslowakei, Jugoslawien oder Irland enthusiastisch begrüßt, welche dem Zusammenbruch der Vorkriegsordnung ihre neu gewonnene Unabhängigkeit zu verdanken hatten. Auch Polen zählte dazu, hatte es doch nunmehr endlich seine staatliche Souveränität wiedergewonnen, die auch nach 123 Jahren der Aufteilung unter seine Nachbarstaaten das unbeirrte Ziel seiner Bewohner geblieben war, die durch zähes Festhalten an Sprache, Religion und Kultur ihre eigene Identität hatten wahren können.

Aus der Perspektive des frühen 21. Jahrhunderts mag das Festhalten am Prinzip des Nationalstaats oftmals anachronistisch erscheinen, scheinen Globalisierung, Multikulturalismus oder internationale Organisationen wie die EU oder die UNO doch gänzlich neue politische Voraussetzungen geschaffen zu haben. Und doch zeigt nicht nur das Unabhängigkeitsstreben einzelner Regionen wie Katalonien, Flandern, Norditalien oder Schottland, sondern auch das Erstarken patriotischer Kräfte, daß der Nationalstaat alles andere als überholt ist. Betrachtet man dazu noch die gegenwärtige Situation der EU, welche sich in einem ungewissen Zwischenzustand zwischen Staatenbund und Bundesstaat befindet, stellt sich nun mit zunehmender Dringlichkeit die Frage, welche Rolle der Nationalstaat in der voranschreitenden europäischen Integration weiterhin spielen kann, spielen soll – und spielen darf. Welche Rolle werden nationalstaatliche Institutionen in einer sich vertiefenden EU ausüben können? Welchen Anteil haben nationale Identitäten an der übergeordneten europäischen Identität? Und wie steht es mit der Rolle jener verhältnismäßig homogenen Nationalstaaten wie Polen, für die das bundesstaatliche und multikulturelle Muster vieler westeuropäischer Staaten keine tragfähige Option ist?

Diese Fragen sollen den Ausgangspunkt für eine öffentliche Podiumsdiskussion bieten, die mit verschiedenen hochrangigen Denkern und Politikern besetzt und in drei Panels gegliedert ist. Eröffnet wird die Konferenz mit einer Diskussion zu den verschiedenen, in Europa entwickelten Konzepten nationalstaatlicher Organisation und Identität. Hierauf folgt eine Diskussion, die wesentlich der polnischen Idee von Staat und Identität gewidmet ist. Abgeschlossen wird die Tagung dann mit einer Debatte über die gegenwärtige und vor allem zukünftige Rolle der Nationalstaaten als tragender Strukturen im Rahmen der Europäischen Union. 

Geplante Referenten:

1.    Panel: Europäische Konzepte des nationalen Staates (David Engels, Frank Füredi, Monika Maron; Moderation: Magdalena Bainczyk)
2.    Panel: Polnische nationale Identität vor europäischem Hintergrund (Andrzej Bryk, Jacek Dehnel, Zdzisław Krasnodębski; Moderation: Justyna Schulz) 
3.    Panel: Die Rolle der Nationalstaaten in der Europäischen Union (Izabela Kloc, Abgeordnete im polnischen Sejm; Frédéric Petit, Abgeordneter in der französischen Assemblée Nationale, Manuel Sarrazin, Mitglied des deutschen Bundestags; Moderation: David Engels)