Tatjana Böhme-Mehner

Warten auf den Vater

Erinnerungen an Ibrahim Böhme

ca. 160 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
13,7 x 21,7 cm
WG 1948

Erscheint im März 2019


18,00 € (D) / 18,50 € (A)
ISBN 978-3-95890-274-9

Bürgerrechtler und Stasi-Spion – die doppelten Leben des Ibrahim Böhme
 
22. November 1999: Mein Vater ist tot. Gegen sieben Uhr morgens klingelte das Telefon. Es war die Todesnachricht. Ich wusste schon vorher, dass sie es ist. Nicht, dass ich sie erwartet hätte. Nicht mehr jedenfalls als an irgendeinem anderen Morgen in den letzten Jahren. Obwohl die Nachricht an sich zu erwarten war: Schlecht ging es ihm, seit er sich endgültig aus der Öffentlichkeit verabschiedet hatte. Ein kleines Ende war seither jede unserer Begegnungen gewesen. Im freien Fall von der Lichtgestalt zum enttarnten Spitzel – ich war beiden gegenüber skeptisch. Doch nun ist er tot; und ich frage mich, wer dieser Mensch war. Manfred oder Ibrahim? Dissident oder gemeiner Stasi-Spitzel? Weltflüchter oder Realist? Arbeiter oder Intellektueller? Tragischer Held oder Clown? Ich bin mir nicht sicher.
 
Tatjana Böhme-Mehner schildert in Warten auf den Vater die außergewöhnliche Beziehung zu ihrem Vater Ibrahim (Manfred) Böhme, der 1978 aus der SED ausgeschlossen und mehrere Monate inhaftiert und 1990 zum Vorsitzenden der neu formierten Ost-SPD gewählt wurde. Er galt als aussichtsreicher Bewerber um den Posten des DDR-Ministerpräsidenten. Nach seiner Enttarnung als inoffizieller Mitarbeiter der Stasi zog sich Böhme aus der Öffentlichkeit zurück. Die Autorin entwickelt anhand realer Erinnerungen das schwierige Verhältnis zu einem irrealen Vater, der immer unterwegs und selten für die Tochter greifbar war; sie entwirft exemplarisch ein faszinierendes Bild vom Alltag in der ostdeutschen Provinz vor und nach der Wende und zeigt, welche tiefen Wunden der radikale Umbruch und die Überwachung durch die Staatssicherheit hinterlassen haben.
 
• Eine berührende Vater-Tochter-Beziehung in der DDR vor und nach der Wende
• Der Blick hinter die Fassade des Ibrahim Böhme
• Kindheit und Jugend in der DDR-Provinz – exemplarisch für die Wende-Generation
• Intensive Presse- und Medienarbeit
• Autorin steht für Veranstaltungen zu Verfügung
 
»Bei den meisten Menschen ist es ganz einfach: Entweder haben sie einen Vater oder nicht. So einfach war das bei mir nie.« Tatjana Böhme-Mehner