Jan Konst

Der Wintergarten

Eine deutsche Familie im langen 20. Jahrhundert

Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas
ca. 380 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag mit zahlreichen Fotos und Abbildungen
13,7 × 21,7 cm
WG 1948

Erscheint im März 2019


22,00 € (D) / 22,70 € (A)
ISBN 978-3-95890-258-9

Vom Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung – das bewegte Jahrhundert einer deutschen Familie
 
Fast hundert Jahre alt wird Hilde Grunewald. 1902 im sächsischen Meißen geboren, wächst sie unter Kaiser Wilhelm II. auf. Sie heiratet in der Weimarer Republik, ihre Kinder kommen in der Zeit des Nationalsozialismus zur Welt. Hilde erlebt den Aufstieg, aber auch den Zusammenbruch der DDR – und schließlich die friedliche Revolution von 1989, durch die sie Bürgerin der Bundesrepublik wird.
 
Ihr Leben ist von Umbrüchen gezeichnet. Sie überlebt zwei Weltkriege und hat mit den Folgen wirtschaftlicher Krisen zu kämpfen. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie es in höheren Kreisen zugeht – aber auch, was es bedeutet, auf finanzielle Unterstützung angewiesen zu sein. Die russische Besatzung prägt ihr Leben ebenso wie der Kalte Krieg, der Bau der Berliner Mauer und die Wende.

Mit historischer Präzision und erzählerischem Geschick blickt Literaturwissenschaftler Jan Konst in Der Wintergarten auf das bewegte Leben seiner Schwiegerfamilie. Hildes Geschichte, aber auch die ihrer Eltern, Kinder und Enkel gerät dabei für den Leser zu einer faszinierenden Zeitreise durch das lange 20. Jahrhundert vom Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung. Eine einzigartige Familienchronik über vier Generationen und hundertfünfzig Jahre deutscher Geschichte.
 
• Eine Familie, vier Generationen, 150 Jahre deutsche Geschichte – literarische Geschichtsschreibung auf höchstem Niveau
• History from below – packend erzählt
• Für die Fans von Unsere Väter, unsere Mütter und Das Jahrhundert meines Vaters von Geert Mak
• Jan Konst steht für Veranstaltungen zur Verfügung
 
»Ein literarisches Sachbuch in Bestform« De Volkskrant
Jan Konst im Gespräch über seinen Bestseller Der Wintergarten
 
Wie entstand die Idee zum Buch?
Ohne meine Schwiegermutter Brigitte wäre Der Wintergarten undenkbar gewesen. Seit ich sie kenne, erzählte sie mir von ihrer Familie und zeigte mir Dokumente aus dem Familienarchiv. »Darüber müsstest du eigentlich mal ein Buch schreiben!«, hörte ich seit Jahren immer wieder von ihr. Vor drei Jahren habe ich dann begonnen, das Material zu ordnen und gemeinsam mit Brigitte die wichtigsten »Erinnerungsorte« zu besuchen.

Was hat Sie an der Geschichte Ihrer Schwiegerfamilie fasziniert?
Es ist die Geschichte einer ganz normalen Durchschnittsfamilie. Aber in einem Land, in dem im langen 20. Jahrhundert, das ich 1871 beginnen lasse, unvorstellbare Dinge passiert sind. Ich bin in einem kleinen übersichtlichen Land aufgewachsen, in den Niederlanden. Ich wollte erfahren, wie es für »einfache« Leute war, in einem Land zu leben, in dem die Geschichte scheinbar noch mehr gewütet hat als in meiner Heimat.
 
Können Sie etwas über das Familienarchiv sagen?
Familienarchiv ist vielleicht ein zu großes Wort. Im Grunde genommen, handelt es sich um vier große Schränke mit unsortierten Nachlässen. Meißen, wo meine Schwiegerfamilie zu Hause ist, blieb von den Folgen des Zweiten Weltkriegs weitestgehend verschont, und auch deshalb blieb vieles erhalten. Nach einer Anthologie über die Stadt Berlin in der Literatur und einer Monografie über den niederländischen Autor Louis Ferron ist Der Wintergarten mein drittes Buch, in dem die deutsche Geschichte einen zentralen Platz einnimmt. Gleichzeitig ist es auch mein persönlichstes.
 
Was für ein Buch ist dann »Der Wintergarten«?
Der Wintergarten beschreibt individuelle Lebenswege einer Familie vor dem Hintergrund deutscher Geschichte. Im Englischen gibt es dafür den Begriff »history from below«. Mir ging es in diesem Buch um die Erfahrungen von Menschen, die ich oft nicht mehr selbst kennenlernen durfte. Auf dem Papier werden sie wieder lebendig, und die Leser können auf diese Weise an ihrem Schicksal teilhaben.
 
Was zeigt diese Familiengeschichte für Sie über die deutsche Geschichte?
Brigittes Mutter Hilde lebte von 1902 bis 2001. Nur in den Zwanziger- und Neunzigerjahren ihres Jahrhunderts erlebte sie, was Demokratie wirklich bedeutet. Wie (über)lebt man unter zum Teil schlichtweg totalitären Regimes, mit denen sich Hilde immer wieder konfrontiert sah? Ich glaube, das war die zentrale Frage während meiner Arbeit am Buch.