9783958901629_Kizilhan_NachtfahrtDerSeele_72

Nachtfahrt der Seele

Von einem, der auszog, das Licht zu suchen

19,90 €
Enthält 7% MwSt.
zzgl. Versand

320 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
13,7 × 21,7 cm

Erscheint im April 2018

Art.-Nr.: 978-3-95890-162-9 Kategorie: auch als ebook erhältlich
Preis: 19,90 € (D) / 20,50 € (A)
Autoren: Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan, Alexandra Cavelius
Verlag: Europa Verlag

»Am Tage merkte ich oft nicht, wie sehr ich mich im Gestrüpp dunkler Gedanken verloren hatte. Nachts versank ich in so tiefen Schlaf, dass ich mich morgens an nichts mehr erinnern konnte.« Jan Ilhan Kizilhan, Psychotherapeut und Trauma-Experte, gerät im Winter 2010 in eine tiefe Sinn- und Lebenskrise. Während er in seiner Klinik eine vergewaltigte Kurdin betreut, fragt er sich voller Zweifel, ob er in solch schweren Fällen tatsächlich auf Dauer etwas Positives bewirken kann. Auf der Suche nach Heilung für die versehrte Seele des Menschen merkt der zweifach promovierte Professor jedoch nicht, wie er sich selbst immer mehr verliert. Nach außen funktioniert der Therapeut und Familienvater, innerlich jedoch ist er ausgebrannt.

Als er eine Einladung in den Iran erhält, um die dortige traditionelle Heilkunde kennenzulernen, nimmt er an. Eine alte Heilerin namens Anaram führt ihn zu alten Kult- und Tempelstätten und bringt ihm die Lehre Zarathustras näher. Während sich Kizilhan als rationaler Mensch anfangs distanziert verhält, gerät er zunehmend in den Bann ihrer orientalischen Erzählungen über die alte Heilkunst. Langsam öffnet er sich dieser Fremden und lernt, dass er als Therapeut anderen Menschen nur dann erfolgreich helfen kann, wenn er sich auf eine Reise zu sich selbst und seinen Vorfahren begibt. Auf dem Rückflug ahnt er noch nicht, dass er sich in naher Zeit der größten Herausforderung seines Lebens stellen wird, nämlich der Behandlung Tausender schwer traumatisierter Frauen des IS-Terrors.

• Das neue Buch des international anerkannten Traumatherapeuten – eine Reise in seine eigene Vergangenheit und ein tiefer Einblick in seine Seele
• Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan ist der Medien-Experte, wenn es um die Behandlung von IS- und Kriegsopfern sowie die Analyse der Täter geht
• 2018 läuft in deutschen Kinos die große BBC-Dokumentation über Prof. Kizilhan und seine Arbeit in Dohuk an
• Intensive Presse- und Medienarbeit

In jungen Jahren standen Ihnen viele berufliche Möglichkeiten offen. Warum sind Sie am Ende ausgerechnet Psychotherapeut geworden?

Schon immer habe ich mich für das Verhalten und die Seele der Menschen interessiert. Warum reagieren manche rational oder irrational, andere wiederum emotional oder gefühllos? Warum bleiben die einen nach einer Katastrophe zerstört am Boden liegen, während sich die anderen wieder erheben und weiterkämpfen? Ich versuche, Menschen zu verstehen und ihnen mit meinem Wissen aus belastenden innerpsychischen Konflikten herauszuhelfen. Vielleicht liegt mir diese Arbeit sogar sprichwörtlich im Blut? Zumindest habe ich vor Kurzem erfahren, dass auch meine Vorfahren bereits Heiler waren.

In Ihrem Buch beschreiben Sie den Menschen als Teil seiner Historie. Hat das Trauma unserer Vorfahren etwas mit unserer eigenen Identität zu tun?

Vergangene Traumata, wie Kriege und Genozide, beeinflussen nicht nur den Einzelnen, sondern die gesamte Gesellschaft über Generationen hinweg. Unsere Vorfahren haben ständig in Angst gelebt und dabei ihre Überlebensstrategien meisterhaft weiterentwickelt. Dafür mussten wir alle einen hohen Preis zahlen, denn vermutlich werden wir nie einen wirklichen inneren Frieden finden. Manchmal sehen wir Gefahren, wo keine sind, und können aufgrund unserer eigenen traumatischen Erlebnisse diese in uns genetisch festsitzende Angst nicht verarbeiten. Diese Transformation, die wir durchgemacht haben, beeinflusst, wer wir sind und was wir werden wollen.

Warum haben Sie sich auf diese abenteuerliche Reise in den Iran begeben?

Meine Vorfahren sind Kurden, sie haben eine sehr enge kulturelle und sprachliche Bindung an den Iran. Aus dieser faszinierenden Hochkultur gingen berühmte Heiler wie Ibn Sina und Dichter wie Omer Hayam hervor und haben die Welt durch ihre Ideen geprägt. Auch die Wurzeln der alten vorislamischen Religion Zarathustras liegen hier. Für mich war das eine Reise, auf der ich mich selbst wiederfinden wollte. Dabei habe ich gehofft, dass mir die Kultur des Landes und seine Heilkunst helfen würden.

Haben sich Ihre Hoffnungen bestätigt?

Mehr als erwartet. Ich habe ein neues Verständnis von Mensch und Geist gewonnen. Dabei habe ich vor allen Dingen gelernt, dass wir Menschen aus anderen Kulturen mit Demut und Respekt begegnen müssen. Ihre Erfahrungen und ihr Verständnis von Gesundheit und Krankheit können wir als wichtige Ressource für die Psychotherapie nutzen.

Das Licht bzw. das Feuer nimmt in der Philosophie Zarathustras einen hohen Stellenwert ein. Wie erlebten Sie Persien, das Land Zarathustras, und die persischen Heiler?

Sie sind wie Zauberer, aber zugleich einfach, unkompliziert, menschennah, weil sie die Kultur, die Mythologie und das Verhalten der Menschen kennen. Das Feuer ist schon immer ein Symbol des Lebens, der gewaltigen und nicht zu unterschätzenden Psyche, und zugleich ein Symbol der Freiheit und allen Lebens, weil es ohne die Sonne kein Leben geben würde. Zarathustra ist der erste Prophet, der von einem Gott des Guten (Ahura Mazda) und einem Gott des Bösen (Ahriman) gesprochen hat. Vielleicht war er auch der erste Therapeut, der Menschen anleiten wollte, zufrieden zu leben. »Denke gut, rede gut und handle gut«, lautete seine Devise. Dasselbe versuchen wir heute auch in der Psychotherapie.

Warum glauben Sie, dass Kultur, Geschichte und auch das politische Umfeld eines Menschen für die Behandlung seelischer Erkrankungen wichtig sind?

In der Zwischenzeit haben wir auch in der Forschung erkannt, dass die Kultur und die Sozialisation, aus der wir Menschen kommen, einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie wir mit Krankheit umgehen, ob wir daran zugrunde gehen oder sie doch bewältigen können.

Wie unterscheiden sich Krankheiten von Kultur zu Kultur?

Patienten aus familienorientierten Gesellschaften haben beispielsweise ein anderes Verständnis von Schmerz und andere Heilungsvorstellungen als Patienten aus westlichen Gesellschaften. Das Schmerzerleben wird nicht nur auf einen Teil des Körpers beschränkt, sondern ganzheitlich betrachtet.

Leiden wir denn nicht alle an denselben Problemen?

Urvölker, denen der Begriff Psyche nichts sagt, können dennoch an einer Depression erkranken; sie verfügen jedoch über kulturelle Modelle, die wir nutzen sollten, um im Zeitalter der Globalisierung und Migration helfen zu können. Wenn wir ihr Verständnis von Gesundheit und Krankheit kennen, dann können wir ihnen auch mit den modernen psychotherapeutischen Ansätzen erfolgreich helfen. Doch zuvor müssen wir uns selbst und unsere Kultur kennen. Wer sich selbst kennt, braucht auch nicht die Dunkelheit der Seele anderer zu fürchten.

Was haben Sie auf dieser Reise über sich selbst gelernt?

Mir wurde vieles über das Leben meiner Vorfahren klar. Ihre Tragödien, ihre Flucht und ihre Migration bis nach Deutschland. Meine eigene Gefühlswelt öffnete sich wie ein Buch, und ich konnte sehen, warum ich manchmal grundlos traurig reagierte. Ich habe verstanden, warum ich der geworden bin, der ich heute bin. Meine Gene, die Sozialisation meiner Vorfahren und ihre Kultur haben mich zu diesem Mann gemacht.

Was kann jeder Mensch aus dieser Geschichte lernen?

Wie lebendig die eigene Geschichte in uns ist! Bewusst und unbewusst geben wir sie an die nächsten Generationen weiter. Manchmal wird sie zu einem inneren Geschwür, zu etwas Dunklem in uns, doch wir können es nicht erkennen. Die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte und der Kultur, aus der man kommt und in der man lebt, ist der erste Schritt von der Gegenwart in die Zukunft.

Was meinen Sie? Kann es tatsächlich jeder Traumatisierte schaffen, wieder die Dunkelheit zu verlassen und Licht in seine Seele zu lassen?

Ich glaube, dass jeder lernen kann, mit seinem Trauma umzugehen. Wenn wir positive Erfahrungen sammeln, die in uns Hoffnung wecken, dass der Mensch und die Menschheit etwas Gutes besitzen, dann werden die Bilder der traumatischen Vergangenheit unklarer in ihren Konturen.

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